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Gepäcktransport für Asketen

Kein Radfahrer, der etwas auf sich hält, lässt es sich nehmen, den Transport seines Gepäcks – und daran führt von Zeit zu Zeit kein Weg vorbei – selbst in die Hand zu nehmen. Das heißt nun nicht, dass man mit schwerer Tonnage durch die Lande schippert, nein, der wahre Radfahrer wählt sein Gepäck mit Bedacht und strebt nach einer filigranen Daseinsform seiner Habseligkeiten, die sein Dahingleiten auf den Straßen, die ihm das Leben beschert, so wenig wie möglich beeinträchtigen.

Wer es sich einfach machen möchte, schraubt sich einen Gepäckträger übers Hinterrad und hängt eine oder zwei Taschen dran. Dies kann man praktisch mit jedem vernünftigen Rad machen. Mir ist diese Lösung seit Jahren nicht mehr geheuer. Erhöhter Windwiderstand und eine gewisse Unflexibilität beim Zerlegen sind das Eine. Das Andere ist, dass es ein Gesetz gibt, welches besagt, dass alle Taschen bis zum Rand gefüllt werden, egal wie groß sie sind. Der Abschied von der Leichtigkeit des Reisens ist mit dieser Variante vorprogrammiert. Und ich bin, was Gepäck anbelangt, bekennender Asket.

Nach meinen ersten Radreisejahren war ich später, wann immer es vertretbar war, mit einer Tasche von Carradice unterwegs, an der Sattelstütze befestigt. Diese hatte Stil, aber auch ihr Gewicht. Seit wenigen Jahren sieht man nun an etlichen Rädern Taschen von Apidura oder Revelate, die unter dem Sattel und zusätzlich an der Sattelstütze festgezurrt werden. Diese Lösung fand ich von Anfang an aufregend, da die Taschen selbst nur ein paar hundert Gramm auf die Waage bringen. Der Nachteil allerdings zu meiner Carradice-Tasche, die an einer soliden Metallstrebe verschraubt ist, zeigt sich darin, dass insbesondere im Wiegetritt das Transportgut hin- und herwabbelt wie schlaffes Fettgewebe. Hier besteht Handlungsbedarf.

Die Lösung kann nur sein, die Tasche von unten her zusätzlichen zu stabilisieren. Dazu nehme ich eine Aluminiumschiene aus dem Baumarkt, etwa 40 mm breit, und ein kräftigen flachen Winkel aus Edelstahl. Die Aluschiene wird auf etwa 30-33 cm abgelängt. Der Winkel wird mit der Spitze nach hinten von unten her draufgenietet und die überstehenden Enden gebohrt, gekürzt und so umgebogen, dass sie sich mit etwas List am Rahmen befestigen lassen. Das Einfachste ist natürlich, wenn der Rahmen Ösen für einen Gepäckträger besitzt, was aber nicht sein muss. Andernfalls besorgt man sich eine passende Sattelklemme. Es gibt Klemmen, die mit Ösen versehen sind, was ziemlich pfiffig ist. Ich habe in meiner Kleinteilsammlung eine massive Klemme mit Schnellspanner gefunden, die ebenso ihre Dienste verrichtet, fast noch besser sogar, denn man braucht keinerlei Werkzeug, um den Aluträger zu befestigen oder zu entfernen, wenn das Zelt steht oder das Gepäck im Hotelzimmer liegt und einen die Lust auf eine Tour überkommt.

Wichtig ist, dass die Tasche mit einem Gurt unter Einbeziehen der Sattelstreben an dieser Schiene festgezurrt wird, und zwar so, dass dieser nicht verrutschen kann. Zu diesem Zweck habe ich eine Aussparung hineingebohrt, in die der Gurt eingefädelt wird. Er wird danach einmal rund um die Strebe geschlungen.

Für mein technisches Empfinden wird damit zumindest ein geringer Teil der Last, insbesondere bei heftigen Erschütterungen, von der Sattelstütze auf den Rahmen umgelenkt, was sicher nicht von Nachteil ist.

Statt einer der oben genannten Taschen lässt sich auch ein ganz normaler wasserdichter Packsack unter dem Sattel vertäuen, allerdings ist es in diesem Fall unerlässlich, am Ende einen Querträger und einen weiteren Spanngurt anzubringen, um zu verhindern, dass die Rolle seitlich abrutscht. Man kommt damit auf ein ganz ordentliches Packvolumen bei minimalem Gewicht. Auch preislich lässt sich diese Konstruktion kaum noch unterbieten.

Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass damit dem Gewabbel mit Nachdruck Einhalt geboten wurde, selbst im Wiegetritt – so, wie es eben sein soll.


 

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