Wege mit dem Rad

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Notizen

Radfahren in Rom

Luigi sieht uns und grinst uns an, hebt die rechte Hand zum stürmischen Gruß, während er linker Hand sein nervöses Klapprad durch den Verkehr steuert. Man muss wissen, dass Luigi sein Rad auf der falschen Seite der Straße vorantreibt, mitten durch den Feierabendverkehr Roms. Er macht es meisterhaft und mit einem Vergnügen, das wir, mit jeweils zwei Gepäcktaschen beladen, inmitten der genervten Autofahrer nicht ganz nachempfinden können. Er ist der erste Radfahrer, den ich, vom Bahnhof Trastevere kommend, an diesem Tag in Rom wahrnehme. Dann kommt Anna. Sie fährt uns mit ihrem alten 5-Gang-Rennrad von hinten auf, tritt in die...[mehr]

Vom freien Willen

An bestimmten Tagen frage ich mich, weshalb es gerade mir passieren musste, dass mich eine nicht weiter zu hintergehende Schicksalsmacht, ohne mit der Wimper zu zucken, in die eisgrauen Landschaften hinausschickt, um mich der Körperertüchtigung zu widmen. Ich könnte natürlich zuhause bleiben. Eigentlich wäre es ja das Nächstliegende. Es gäbe in der beheizten Stube genug zu tun. Der Beweis gegen die Existenz des freien Willen ist in meinen Augen der, dass es Leute gibt, die bei jedem Wetter Rad fahren. Sie fahren mit roten, triefenden Nasen über die eisglatten Straßen und benetzen alle paar Pedalumdrehungen unter kräftezehrendem,...[mehr]

Winterhimmel

Die dunkle Jahreszeit: wie Wasser auf der heißen Herdplatte verdampft, so lösen sich zwischen November und Februar die frostigen Tage im Nichts auf, kaum dass man den ersten Gedanken an die längst überfällige Siesta beiseite gewischt hat. Ein Hauch des ewigen Dunkels des Universums legt sich ab dem frühen Nachmittag über unsere kleine wohltemperierte Welt, zu einer Zeit, wo man sich im Sommer gerade anschickt, die Radschuhe überzustreifen und die Trinkflaschen zu füllen. Was mir lange verborgen blieb, ist der Umstand, dass man in dieser Jahreszeit keine Sterne sieht: sie fallen der Kälte zum Opfer, die uns eilig...[mehr]

Kopf hoch!

Es wurde ja bereits viel Schlechtes über Autofahrer geschrieben, auch von mir. Sie seien Rüpel, Raser und Umweltschänder. Und natürlich Oberlehrer ("Da drüben ist der Radweg!"). Ich kann mir gut vorstellen, wie sehr eine solche Berichterstattung an die Nieren gehen gehen kann. Muss man sich dann noch mit seinem Pkw durch die in manchen Stadtvierteln überhand nehmenden Massen von respektlosen Fußgängern und Radfahrern zwängen, kann man heutzutage fast nicht mehr sicher sein, dass man als unbescholtener Fahrzeuglenker nicht vom aufgehetzten Ökomob spontan gelyncht wird. Noch härter trifft es hier die Fahrer...[mehr]

Langweiler

Es musste mir so rausgerutscht sein, irgendwie... Wir gingen im Schnee hintereinander her, bergauf, und der Schnee reichte uns wohl über die Knöchel, und ringsum war nichts als dieses Weiß und dunkler Tannenwald, und das Ganze war zudem recht anstrengend, so dass ich ziemlich ins Schnaufen kam, um ihrem forschen Schritt hinterherzukommen. Da muss es passiert sein, dass ich laut gedacht habe. Und ich hatte gedacht: bei dem Wetter könnte man auch mit dem Querfeldeinrad fahren. An sich ein ganz legitimer Gedanke, wenn man, so wie ich, bei Schnee nicht gut zu Fuß ist. Und was bekomme ich zu hören? Kein: Du spinnst wohl!...[mehr]

Radfahren in Paris

Paris ist anders. Nicht weil es die Stadt der Liebe ist und an allen Straßenecken geküsst wird - das auch. Aber auch wegen der Art des Radfahrens. Man steht zum Beispiel mit seinem Leihrad, dem Vélib', an einer roten Ampel, sagen wir an der Place de la République, im morgendlichen Berufsverkehr. Nervosität liegt in der Luft und während die Ampeln des Querverkehrs auf grün umspringen und die Motoren in vorderster Front ungeduldig aufheulen, zischen zwei Radfahrer von hinten an einem vorbei, schnurstracks in die Kreuzung hinein. Ungeniert und unbeeindruckt von jeder Farbsymbolik. Wer nun ein Hupkonzert der Auto-, Bus- und...[mehr]

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