Wege mit dem Rad

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Notizen

Die Kunst des Pfeifens

Die modernen Ahead-Set-Vorbauten haben einen großen Vorteil. Sie erleichtern die Entscheidung, ob eine Klingel an den Leichtgewichtrenner kommt, ganz erheblich: es kommt keine hin. Denn Klingeln, die sich um die wuchtigen Spacer schmiegen, sind noch nicht auf dem Markt. Und am Lenker ist sowieso kein Platz. Selbst wenn: wer hat schon den Mut, sich an dieser exponierten Stelle zu einer Glocke zu bekennen. Ich nicht. Damit geht ein großer Nachteil einher: ohne Klingel ist es schwer, die Mitbewerber auf den Straßen und Wegen artgerecht von seinem Kommen in Kenntnis zu setzen. Wie oft schon habe ich es mit einem sonoren,...[mehr]

Radio im Kopf

Nun gut. Mein Computer ist inzwischen alt genug, um selbst an trüben Novembertagen mal alleine zurechtzukommen, und mit der Sonne wird es heute eh nichts mehr. Die idealen Bedingungen also, um mir die Joggingschuhe überzustreifen und mit lockeren Schritten in die Abenddämmerung hinauszueilen. Ohne mich zu hetzen, mit dem Vorsatz, zu genießen. Ich trabe Richtung Osten, zunächst die kleine Landstraße vor. Ein Radfahrer überholt mich, prescht in Rennhaltung und hoher Trittfrequenz an mir vorbei. Soll er doch Rad fahren. Ich persönlich laufe heute. Es gibt auch Menschen, die fahren Ski. Fünf Minuten später biege ich...[mehr]

Krieg

Ich zähle zu der Generation – dem Schicksal sei Dank! –, die nie einen Krieg erlebt hat. Meine Eltern waren noch Kinder, als die Bombenangriffe der Alliierten zum Kriegsende hin immer schlimmer wurden. Mit ihren neun Jahren sah meine Mutter den blutroten Himmel in der Nacht des 17. Dezember 1945. Das war, als die Stadt Ulm, 80 Kilometer entfernt von ihrem Heimatort, in Flammen stand. Ich kenne den Krieg aus Erzählungen, aus Büchern. Oft habe ich versucht, mir das Grauen in jenen Zeiten vorzustellen. Die Soldatenfriedhöfe in den Vogesen sind stumme Zeugen davon. Vor etlichen Jahren habe ich die Festungsanlagen von Verdun...[mehr]

Müde Beine

Ein Jahrhundertsommer neigt sich seinem Ende zu. Die Beine sind müde, der Kopf voller Bilder: blühende Landschaften in der Frühjahrssonne, heißer Asphalt, ausgetrocknete Flüsse und Bäche, verdörrte Wiesen, verschwitzte Körper. Wasser, Eiskaffee, Weizenbier. Radtouren bei Kaiserwetter, früh morgens und spät abends. Die Tour de France: spannend wie seit Jahren nicht mehr. Die Alpentour des Sommer beginnt zu verblassen, die Klagen über die Bruthitze sind verstummt. War sonst noch was? Am 21. März 2003, nach Einbruch der Dunkelheit, begannen die Amerikaner mit der Bombardierung Bagdads. Tags darauf fuhr ich meine erste ...[mehr]

Deutschlandtour 2003, Königsetappe

Wie er so dastand neben mir, zweihundert Meter vor dem Ziel der Königsetappe der Deutschlandtour am Feldberger Hof, im Sonntagsstaat aus schweißabsorbierenden Kunststofffasern, mit sehnigen, frisch rasierten und geölten Beinen, und, auf das Absperrgitter gestützt, andächtig auf die Großbildleinwand starrte: da wollte mir scheinen, dass man dem Radsportler als solchem eine gewisse Frömmigkeit nicht absprechen kann. Gewiss, auch mein Nachbar wusste um die Niederungen des Daseins  - wenn er auf die Carbonräder der Besserverdienenden schielt oder sich, einmal in Fahrt, hemmungslos dem Adrenalinschub hingibt, sobald nur...[mehr]

Treffer 13 bis 17 von 17
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