Wege mit dem Rad

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Celle-Travemünde

Samstag, 20. Juni 2009    Celle - Travemünde

der SchlafplatzAls in den frühen Morgenstunden kurz der Regen einsetzt, wickle ich die Zelthaut etwas fester um mich herum. Angesichts des Sternenhimmels und der fortgeschrittenen Zeit schien es mir gestern nacht überflüssig, das Zelt aufzustellen. Später, beim Aufwachen, fühlt sich der Schlafsack feucht und klamm an, der Himmel ist recht durchwachsen. Mein letzter Tag auf dem Rad nimmt seinen Lauf.

on the road againKaum auf der Straße, machen wir an der ersten Bäckerei kehrt. Die Regale sind ungewöhnlich leer, Kaffee und Gebäck aber recht ordentlich. Mehr verlange ich nicht. Ich fühle mich einigermaßen regeneriert und freue mich auf die Strecke des heutigen Tages, obwohl sich das Wetter nicht sehr vielversprechend anlässt. Immer wieder wechseln kurze Schauer mit Sonnenschein ab, die Temperaturen sind bescheiden, bald schon streife ich mir wieder meine Knielinge über.

PauseFür heute ist geruhsames Vorankommen angesagt. So tendieren wir immer wieder zu Radwegen, was sich in der Regel aufgrund der miserablen Qualität als Fehler herausstellt. Während die gesamte Republik mit Autobahnen bis in die hintersten Winkel durchzogen ist, reicht das Geld auf dem Radverkehrssektor offensichtlich nur, um die blauen Schilder für die Benutzungspflicht aufzustellen. Die Beschaffenheit selbst, geschweige denn Beschilderung oder Zielführung scheint von offizieller Seite kaum jemanden zu interessieren. Ist es vermessen, von den Verantwortlichen zu verlangen, dass die Bundesrepublik, ähnlich dem Autobahnnetz von einem hochwertigen Radwegenetz inklusive Vorfahrtsrecht durchzogen wird? Die Planungen, man kommt um die Feststellung nicht umhin, dienen augenblicklich vornehmlich dem Zweck, die Straßen von Radfahrern zu säubern. Wozu sonst die Benutzungspflicht?

die ElbeWir lassen uns von diesem Trauerspiel nur wenig beeindrucken, halten tapfer auf die Elbe zu und, endlich, bei Drage, kaum dreißig Kilometer von Hamburg entfernt, bekommen wir sie zu Gesicht. Wir wechseln auf den Elberadweg, an dieser Stelle immerhin von annehmbarer Beschaffenheit. Würde ich mein Gefährt nun Richtung Hamburg lenken, wäre meine Tour in einer Stunde beendet. Heute abend geht mein Zug hier durch. Zu verlockend ist allerdings die Aussicht, zu zweit bis zur Ostsee vorzustoßen. Am Elbufer legen wir, angesichts einen erneuten Regengusses, eine Vesperpause ein, sehen dem Fluss zu, wie er sich träge zum Meer hinbewegt.

Dann geht es erneut ins Hinterland. Man sollte meinen, die restlichen achtzig Kilometer Flachland wären schnell erledigt... aber erstens ist das Küstenland vor Lübeck nicht flach, zweitens sind tückische Pflasterstein-Passagen in unsere Route eingebaut, die zu Umwegen nötigen oder zu längeren Abschnitten im Schritttempo. Ein letzter Stopp in Berkenthin bei Tee und Gebäck, dann stehen wir vor den Toren Lübecks, die Ostsee ist zum Greifen nahe. Es bleibt kaum die Zeit, mir dies klar zu machen - wir jagen nun durch die Stadt, auf der vierspurigen B 75 - ob legal oder illegal spielt keine Rolle - Richtung Travemünde bis zur Mautstelle. Entgegen den Angaben meiner veralteten Karte führt neuerdings ein Tunnel auf die andere Seite des Flussarms. In Unkenntnis dieses Sachverhalts versuchen wir etwas stümperhaft unser Glück mit dem Rad, bis wir auf den Shuttlebus verwiesen werden, der Fußgänger und Radfahrer viertelstündlich ans andere Ufer bringt. Die Zeit drängt... es ist acht Uhr, um 22.30 Uhr geht mein Zug und zuvor hätte ich gerne noch eine Dursche genommen, gegessen und das Meer gesehen.

Der Weg bis ans Ende der Landzunge scheint sich ewig hinzuziehen. Wir stoßen auf den Campingplatz, wo Eckhard für eine Nacht bucht. Einer der große Momente dieses Abends ist die heiße Dusche. Der größte aber ist, als sich der Blick auf die Bucht von Travemünde öffnet. Travemünde Das wär's gewesen...Dies wär's gewesen. Einmal quer durch die deutschen Lande, fast eintausend Kilometer in vier Tagen. Da muss man sich über einen kleinen Kloß im Hals nicht wundern. Wir feiern auf einer Bank an der Uferpromenade mit einer Flasche Wein und Essen aus einem Imbiss die letzten Minuten unser gemeinsamen Reise. Die Bilder der vergangenen Tage verschwinden hinter dem grandiosen Anblick der Ozeanriesen. Hamburg, Hauptbahnhof

Mit einem von ihnen wird mein Begleiter morgen weiter nach Norden ziehen während ich etwa zur selben Zeit aus dem Nachtzug steigen und mich auf vertrautem Terrain auf meinen kurzen Heimweg machen werde.



 

Gesamtwerte

Strecke:

213 km

 

Strecke:

983 km

Zeit:

8:40 h

 

Zeit:

38:41 h

Schnitt:

25,1 km/h

 

Schnitt:

25,4 km/h

Höhendifferenz:

480 m

 

Höhendifferenz:

3170 m

 

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