Wege mit dem Rad

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Besancon-Torcy

Dienstag, 10. September 2002    Besancon - Torcy

Auf geht's: Packen!Dunkle Regenwolken veranlassen uns dazu, gleich nach dem Aufstehen die Zelte abzubauen und den Kaffee unter dem Vordach der sanitären Anlagen zu kochen. Camper in Jogginganzügen, Handtuch um den Hals, werfen uns argwöhnische Blicke zu. Bevor wir wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses verhaftet werden, schwingen wir uns auf die Räder. Mit uns verlässt ein etwa sechzigjähriger Radwanderer den Campingplatz, erzählt auf Nachfrage, dass er in Berlin gestartet ist mit Ziel Mallorca. Mich beeindrucken Menschen zutiefst, die so lange unterwegs sind ohne eine Begleitung, mit der man das Erlebte teilen kann. Respekt! Und gute Fahrt! Er gibt uns Hinweise, wie wir durch die Stadt kommen und wir stürzen uns ins morgendliche Verkehrsgetümmel.

Nächster Halt ist ein Schreibwarenladen, wo ich eine Carte Michelin besorge, während Bertram sich vor der Tür die Lebensgeschichte eines Achzigjährigen anhört. Der gemeinsame Wortschatz der beiden beträgt kaum mehr als zehn Wörter - ich dränge auf Weiterfahrt.

>Der Himmel gibt sich mittlerweile etwas aufgelockerter. Wir verlassen Besançon über die N73, drehen ab bei La Belle Etoile und folgen dem Doubs auf kleinen Straßen mit dem für Frankreich so typischen groben Asphalt, vorbei an Wiesen und Wäldchen, durch kleine verschlafene Ortschaften. Der Charakter der Gegend ist, wenn auch nur einen Tag von zuhause entfernt, ein gänzlich anderer: schlichter, bodenständiger die Häuser, verträumter die Flusslandschaften. Ich fühle mich ausgeruht, besser in Form als gestern, mache etwas Tempo, aber nach und nach pendeln wir uns wieder bei einer zügigen, aber nicht übermäßigen Reisegeschwindigkeit ein. Die Strecke wird hügeliger, der Himmel reißt zusehends auf, abgesehen von einem kurzen Schauer, der uns in Dôle zu einem ungeplanten Halt zwingt. Dann bricht die Sonne endgültig durch, es wird endlich richtig warm. Hinter Dôle bitten wirKartenstudium eine Frau, die sich in ihrem Garten zu schaffen macht, unsere Wasserflaschen zu füllen. Fragen nach dem Woher und Wohin und ungläubiges Staunen bei unseren Antworten. Sie verschwindet nochmals, kommt mit 2 Fläschchen Panaché zurück. Mercy beaucoup, Madame, et au revoir. - Bonne route!

Ein paar Dörfer weiter finden wir in der Ortsmitte ein hübsches Plätzchen unter Bäumen für die Mittagspause. Mit den kleinen Fläschchen Panaché stoßen wir an. Auf den auf dem Boden ausgebreiteten Karten verfolge ich unseren Kurs Richtung Westen. Es war keine ausgemachte Sache, dass ich die Strecke vorgeben würde, aber nachdem Bertram erst einmal darüber ins Bild gesetzt werden musste, dass Bordeaux nicht am Mittelmeer liegt, schien uns dies die bessere Lösung.

Die Region zwischen Doubs und Saône ist unspektakulär, aber geeignet, um Kilometer zu sammeln. Ein welliges Auf und Ab. Wir erreichen Châlon-sur-Saône am späten Nachmittag, fahren weiter auf der D 977, die zwischen Buxy und CersotAbendsonne im Blick. Die Anstiege hier sind deutlich länger und steiler, der Blick von der Bergkuppe zwischen Buxy und Cersot schweift über eine friedliche, saftig grüne Landschaft. Es tut gut, kurz in dieser abendlichen Stille zu verweilen.

Noch haben wir keine Vorstellung davon, wo wir die Nacht verbringen werden; in St. Martin, einem kleinen abseits gelegenen Straßendorf, fragen wir nach dem nächsten Campingplatz. Schulterzucken - dann die Eingebung: in Torcy gebe es sicherlich einen. Torcy liegt nicht direkt auf unserem Weg, aber angesichts der hereinbrechenden Nacht und einer Entfernung von 10 Kilometern erscheint uns dies als eine gute Lösung. Wir machen die Lichter an, verlassen die beschauliche D 977 über eine steile Abfahrt, um uns wenige Minuten später auf der Hauptstraße Richtung Le Creusot wiederzufinden.

Abendstimmung vor St. MartinWelch ein Unterschied! Auch zu dieser Stunde herrscht hier noch reichlich Verkehr, ich bin froh, als wir in den kleinen Weg einbiegen, der zum Campingplatz führt. Der Platz ist stockfinster, es sieht nicht so aus als wäre er noch bewirtet. Hinter einem erleuchteten Fenster machen wir den patron aus, im Nachthemd bei einer Flasche Wein sitzend. Anfangs erschreckt durch unsere unvermutete Ankunft, kommt er später in Zivil zu unserem Platz und erweist sich als recht zuvorkommend, bietet an, uns seine Taschenlampe für die Nacht zu überlassen. Die Temperatur ist beträchtlich gefallen, wir halten uns nicht länger als nötig im Freien auf; am Ende bin ich froh, als ich den Reißverschluss des Schlafsacks bis über die Ohren zuziehen kann.


Strecke

177 km

Zeit

8:10 h

Schnitt

21,8 km/h

 

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