Zentralschweiz 2002
Montag, 17. Juni 2002 Freiburg - Langnau
Mit dem Sonnenstand wachsen im Frühjahr auch die Flügel - und die Flausen im Kopf, die bewirken, dass man trotz frischer Temperaturen mit seinem Rad zusätzliche Trainingseinheiten einlegt, dass man abends vor ausgebreiteten Karten durchs Wohnzimmer robbt, in der Schwerelosigkeit seiner Gedankenwelt in 200-Kilometer-Etappen übers Land fliegt, zum Himmelsstürmer wird und in Siegerpose über die höchsten Pässe der Alpen rollt.
Dienstag, 18. Juni 2002 Langnau - Ulrichen
Im Morgenlicht hat der Campingplatz den Anschein einer Kleingartenkolonie. Außer mir hat sich kein Camper hierher verirrt. Die Urlauber führen ihr beschauliches Leben zwischen Wohnwagen und sanitären Anlagen, beäugen mich auf ihrem Weg zum morgendlichen Abwasch neugierig, aber nicht unfreundlich. In meinem winzigen Zelt habe ich nur mäßig geschlafen, fühle mich dennoch ausgeruht.
Mittwoch, 19. Juni 2002 Ulrichen - Merlischachen
In einem Lebensmittelgeschäft nicht weit vom Campingplatz versorge ich mich mit frischen Brötchen und dem Nötigsten für den Tag. Mein Weg führt mich heute über den Nufenen nach Airolo, von dort weiter über den Gotthard. Ich rechne damit, zur Mittagszeit in Airolo einzutreffen, wenn alle Geschäfte geschlossen sind und um eine Zwangpause zu vermeiden, lade ich schon morgens die übliche Ware in meine Taschen: Brot, Käse, Gemüse, Joghurt und Bananen. Die Unabhängigkeit hat ihren Preis, will sagen ihr Gewicht.
Donnerstag, 20. Juni 2002 Merlischachen - Freiburg
Vor dem Frühstück genehmige ich mir ein Entspannungsbad - tatsächlich fühlen sich die Muskeln trotz der Anstrengungen des gestrigen Tages recht locker an. Als ich gegen 9 Uhr zurück auf der Straße bin, zeigt das Thermometer bereits 30°C. Irrungen und Wirrungen in Luzern, die Schilder für den Radverkehr führen mich im Kreis.