Wege mit dem Rad

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Belcaire-Seix

Montag, 12. September 2005   Belcaire - Seix

Wir sind mit den Rennrädern unterwegs, ich trage auf dem Gepäckträger und in den beiden Ortliebtaschen Zelt, Isomatten, Schlafsäcke, Kocher, Klamotten und Schuhe, Gabriele hat ans Sattelrohr eine Hecktasche von Carradice geschnallt, die wohl zehn Liter fassen dürfte, ausreichend für das, was sie an Kleidung und Kleinkram dabei hat. Das hört sich alles nach wenig an und wiegt zusammengenommen wohl auch keine zwanzig Kilo - ideal für die Berge. Das Packen braucht dennoch seine Zeit, so dass wir uns erst kurz nach zehn auf die Räder schwingen.

Mit dem Col de Marmare mit 1361 Metern endet nach 15 Kilometern das Plateau de Sault. Es ist noch sehr frisch bei der Abfahrt. Nach kurzer Zeit stoßen wir auf die D 20, die in einem kräftezehrenden Auf und Ab parallel zur vielbefahrenen Nationalstraße im Tal verläuft. Gegenüber wohl muss es gewesen sein, in Ax-3-Domaines, wo in diesem Jahr der Österreicher Georg Totschnig, von seinem Sieg überwältigt, Tränen des Glücks weinte. Für die Landschaft dürfte er, der wie ein gejagter Hund hochhechelte, kaum Augen gehabt haben. Das ist unser Privileg.

Unser Privileg ist es auch, uns in Tarascon zur Mittagszeit am Flussufer der Ariège auszustrecken, und ein Nickerchen in der Sonne zu halten.

Col de PortDer Col de Port (1249 m): erst nach und nach zeigt er sich in seiner ganzen Schönheit, eingehüllt in sein grünes Gewand aus Farnen, Büschen und Gras. Außer uns sind hier nur zwei Engländer in Radkluft, Vater und Sohn. In rasender Fahrt geht's hinunter nach Massat. Zentrum der Aussteiger seit den 70er Jahren, hat sich daran bis heute wenig geändert. Das Leben hier hat einen spürbar anderen Rhythmus, die Zeit scheint stehen geblieben zu sein. Campingplatz in SeixBevor wir dazu kommen, diesen Anachronismus von einer Caféterrasse aus auf uns wirken zu lassen, sind da die Regenwolken, die das Tal der Arac hochziehen und uns einen Strich durch die Rechnung machen. Für ein Quartier ist es an diesem Nachmittag noch zu früh. Also weiter, westwärts, dem schwarzen Gewölk entgegen, das sich 20 Kilometer später über uns ergießt. Fragt man hier drei Personen nach den Wetteraussichten, erhält man drei verschiedene Antworten. Das Wetter ist oft unbeständig, wechselt von einem Tal zum nächsten, schnell wird ein Pass auch im Hochsommer zur Nebelfalle. Unsere Falle ist eine Tankstelle kurz vor Seix, wo wir im strömenden Regen bei einer Dose Bier Zuflucht suchen, anstatt, wie sich später zeigt, die 1,5 Kilometer zum nächsten Campingplatz weiterzufahren. Es regnet sich ein, und wir haben das Glück, dass uns die Zeltplatzbesitzer einen in der Nebensaison ungenutzten Raum zur Verfügung stellen, wo wir unsere Utensilien im Trockenen ausbreiten können.


Kilometer

108

Fahrzeit

5:38 h

Schnitt

19,2 km/h

Höhenmeter

1450

 

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