Brevets 2015
Von Sonnenbrillen, Lockerungsübungen und anderem Unfug
Von Bédoin aus führt die Straße ein gutes Stück leicht ansteigend nach Osten. Dann macht sie am Rande der kahlen Weinfelder einen Knick nach links und der Mont Ventoux tut sich über dem Lenker auf. Jetzt bleibt noch etwas Luft zum Stöhnen, bevor der Asphalt unter den Rädern mehr und mehr kippt und der Berg einem gleichermaßen entgegenfällt. Unser Ziel liegt am Ende dieser Straße, die fast ohne Verschnaufpause von 300 auf 1900 Meter führt. Es kann uns niemand vorwerfen, dass wir nicht nach Höherem strebten.
Freud lässt grüßen oder Es kann nicht schwer genug sein
Der Langstreckenfahrer neigt dazu, das 200-Kilometer-Brevet zu verharmlosen. Ja, als echter Routinier fragt man sich schon mal, ob es sich überhaupt lohnt, für diese Distanz aufzustehen. Von derlei Zweifeln geplagt, setzt man sich am Vorabend des 11. April 2015 an den Stammtisch, wo sich die von weit her Angereisten schon bald in Scharen zugesellen.
Haben wir doch ein Glück...
Auch um sieben Uhr sind die Berge der Brötchen, die auf dem Frühstücksbuffet im Augustiner ihres Verzehrs harren, fast so gewaltig wie die Berge des Schweizer Jura - wenn auch nicht maßstabsgetreu - und nur wenige Tische sind besetzt. Das ist ungewöhnlich für einen Brevetmorgen, wo es zu dieser Zeit meist zugeht wie im Taubenschlag. Draußen herrscht das in der aktuellen Randonneurssaison angesagte Wetter: graues Gewölk mit schwärzlichen Verunreinigungen.
Just do it
Die Unerschütterlichkeit einer in zahllosen Nachtsitzungen gereiften Kanzlerin und ihres unverwüstlichen Finanzministers, gegen alle Bedenken aus gewissen Kreisen der Bevölkerung ihre Kollegen aus der G7 für dreihundertfünfzig Millionen Euro nach Schloss Elmau einzuladen - aus Steuergeldern, versteht sich - könnte wegweisend sein.